Hier ein kleiner Rückblick auf das Konzert vom 18.4.15 – globaler TTIP Aktionstag in Miltenberg mit Urban Priol
Das Making Of Brief an die Fiesen

Viele fragten mich wie es eigentlich überhaupt zu diesem eigentümlichen Auftritt kam. Aaaaalso… Auf dem Konzert mit Taktlos im März ’15 spielte ich mein Song „Brief an die Fiesen“. Als ich das Lied zum ersten Mal Live aufführte, hatte ich noch einen rudimentären „Slam Poetry“ Teil davor geklebt. Über die Jahre entwickelte sich dieses „Intro“ zu einer individuellen Ansage, die ich dazu nutzte, und nutze, Dinge zu sagen die mir im Kopf rumschwirren. Meistens sind das kritische Sachen, oder verrückte politische oder gesellschaftliche Zusammenhänge. Bei dem besagten Konzert im März erzählte ich etwas über die möglichen Auswirkungen von TTIP, falls es in voller Gänze umgesetzt wird.

Eine Woche später klingelte mein Telefon und der Veranstalter der Demonstration rief an, ob ich nicht zwei kritische Lieder spielen möchte. Als ich hörte dass evtl. auch Urban Priol da sein wird sagte ich zu. Das Thema Bühne, Politik, Musik & Demonstration hatte mich ab diesem Moment fest im Griff.

„Warum machst Du den Scheiß eigentlich?“, diese Frage wird mir oft von mir selbst gestellt. Angefangen hat alles mit der gedanklichen Frage: „Was kann ich tun um die Welt ein wenig besser zu machen?“. In die Politik? Nein, es fällt mir schwer zu lügen. Hmmm also Kunst! Da ist man doch frei?!, oder? Na ja, scheint halt ein Discount – Geschäft zu sein, aber wenn man sich anders finanzieren und halten kann?! Warum nicht.. also Kunst…! Rein zufällig spielte ich damals schon eine „recht ordentliche Gitarre“ und in meinen Liedern und vor Allem in meinen Texten bin ich frei und es gibt einfach Dinge die gesagt werden müssen.

So jetzt wurde es Konkret. Das Thema TTIP war mir, seit ich es kenne schon unheimlich. Die Verhandlungen laufen im Geheimen, die können dort auskaspern was sie wollen. So soll z.B. ein sog. Investitionsschutz etabliert werden. Hierzu ein fiktives Beispiel: Eine Firma aus z.B. USA will 12000 Burger Buden in Deutschland. Deutschland erlässt 1 Jahr später ein Gesetz zum Schutz der Tiere und verbietet maschinelle Massentierhaltung. Die Firma muss nun 70% Ihrer Buden schließen, da sich der einzelne Burger nicht mehr rechnet. (statt12 Cent kostet er jetzt 82cent). Jetzt kann die Firma das Land Deutschland auf Schadenersatz verklagen.

hbMC Rede

Bild: hbMC Rednerpult

Gutes Beispiel an dieser Stelle ist, obwohl es nichts dierekt mit TTIP zu tun hat: Vattenfall verklagt Deutschland wegen Atomausstieg

Nun, das ist nur ein Thema von vielen. Auf der Demonstration durfte ich sogar eine Rede halten. Diese Rede wird niemals Online gestellt werden, da das Internet einfach nicht vergessen kann. Mein Inhalt dieser Rede war folgender: TISA (Trade in Services Agreement) Eine öffentlich unterstützte kulturelle Einrichtung (Bibliothek, Museum, Live-Event-Möglichkeit usw.) kann, wenn eine fremde Firma etwas „etablieren“ will, als finanzielle „Wettbewerbsverzerrung“ ausgelegt werden. Diese öffentliche Unterstützung der „Kultur“ an sich würde wegfallen, was die Vielfältigkeit kleiner unabhängiger, freier Künstler (^^ ich glaub die meinen mich?!?) einschränken würde. Quelle hier

In meinen Worten: „Die Mainstream Mischpoke und Ihre neuen Finanzierungsmodelle à la Spotify & Co sorgen dafür dass noch weniger mehr verdienen und viele weniger; und das jetzt auch im großen und Internationalen Stil. Für mich als Musiker, Produzent und Tonstudio Betreiber spüre ich diese Entwicklung, vom Kunden über die Gage bis zur Wertschätzung des Produktes an sich.

Die Bühne und politische Meinungen

Spätestens seit Xavier Naidoo vergleicht sich mit Jesus ist klar, dass man vorsichtig sein muss. In der heutigen Zeit wird man schnell stigmatisiert. Denkt man etwas anders als der Mainstream oder ist „Systemkritisch“ bekommt man im schlimmsten Fall gleich einen „Alu-Hut“ aufgesetzt und wird als Verschwörer bezeichnet und mit etwas Glück, landet man direkt noch im „Rechten Sektor„. Man muss allerdings auch sagen, dass es in unserer heutigen Zeit unglaublich schwer ist die „Resultate“ zu verstehen die unsere komplexe Welt hier und da ans Tageslicht fördert. Ich „vermute“ dass sich viele Menschen in „Verschwörungstheorien“ flüchten, da innerhalb solch einer Theorie alles als logisch erscheint; man bekommt das Gefühl die „Wahrheit“ zu kennen und zu verstehen. Die Wahrheit gibt es allerdings nicht, sondern lediglich die Wahrnehmung. Auf der anderen Seite stehen unsere Medien, die aus dem Druck „Highlights“ produzieren zu müssen, die Welt nur noch einseitig darstellen. Wie soll man sich in diesem WirrWarr noch zurechtfinden?

Heutzutage kann quasi jeder, dank Internet in der Öffentlichkeit stehen, oder zumindest seine Meinung kund tun. Allerdings hat sich auch eine dementsprechende „Hater“ – Kultur entwickelt. Schwierige Situation, für mich zumindest;-)

All diese Gedanken.. es war ein langer Weg bis ich mich auf diese Demonstration stellen und meine Lieder spielen konnte. Nicht wegen der Sache an sich, sondern aus der Angst heraus mich öffentlich zu einer Meinung zu bekennen.. zumindest in der Rede. Das Lied Brief an die Fiesen läuft sowie unter dem Schutzmantel der „Satire“ und spricht für sich selbst. Der BEAT hat neue themenbezogene Parts bekommen und wurde für dieses Event komplett überarbeitet und angepasst. Viel Arbeit und es hat sich gelohnt.

Das Event

Um 12 Uhr mittags ging’s los. Mischa der Mischer baute seine traumhafte, analoge PA auf und der ganze Platz wurde geschmückt. Das wechselhaft Wetter war auf unserer Seite und verwöhnte uns mit Sonnenschein. Bis zu 300 Leute fanden den Weg, aus Aschaffenburg kam sogar ein eigener Bus angereist. Das Gefühl als die, nicht gerade leisen, Demonstrations Besucher vom Parkplatz auf den Engelplatz strömten war Richtig, es war „lebend“.

Die Redner waren Klasse. Jeder einzelne beleuchtete das Thema aus einer anderen Position heraus. Auch meine kleine Rede fügte sich nahtlos in den Konsens ein. An dieser Stelle muss ich sagen, dass Texte schreiben einfach einfach ist, im Gegensatz zu „Reden“. Wenn die Worte in schon fertig formulierter Form vor mir verweilen, dann fehlt mir der Flow; Punkt! und ..Hilfe…

Der „Brief an die Fiesen“ war selten so gut platziert. der Song entfaltete seine komplette Wirkung, die Pointe kam auf den Punkt und die Reaktion des Publikums war Atemberaubend. Die Nummer lief so gut, dass sie sich einen Platz auf der Live CD „lebend“ gesichert hat. Yeah, Herzlichen Glückwunsch, nach 8 Stunden Bearbeitung klingt sie jetzt auch zu 100% optimiert:-)

hbMC mit Urban Priol

Bild: Mr. Urban Priol

Kurz vor seinem Auftritt erreichte auch Herr Urban Priol den Engelplatz. Er hatte schon eine lange Reise auf der Autobahn im Kreuz und nutzte seine 15 Minuten vor dem Auftritt zum Kraft tanken und Texte studieren. Sein Textbuch hat mich fasziniert, es war sicherlich 2-3 cm Dick und bestand aus losen Blättern. Dennoch schien es für Ihn eine Ordnung zu haben.. kommt mir irgendwie bekannt vor.. Als er hinter dem Redner Pult stand, wurde ein unsichtbarer Schalter umgelegt und er legte los, aber wie genial. Ein halbe Stunde in der man nur gebannt zuhören konnte. Toller Mann, max. Respekt.

Den Abschluss bildete der BEAT. Ein Dankeschön an dieser Stelle an die Leute die mich mit den Trommeln unterstützt haben und natürlich an Mischa den Mischer. Nachdem wir die Anlage aufgeräumt und verstaut hatten kam ich auch irgendwann 2-3 Stunden später zuhause an. Aus meiner Sicht war es ein gelungener Nachmittag. Aus der Sicht des Veranstalters war die Aktion erst Montags mit der Morgenzeitung abgeschlossen. Sehr interessant, als Musiker erntet man Applaus und kann sich beim heimkommen nochmal Gedanken machen wie der Auftritt war. Bei einer Demonstration erntet man das Resultat erst durch die Medien. Auch nur eine faule Tomate kann ein ganzes Event ins Unglück stürzen.

Der Artikel in der regionalen Zeitung war ziemlich unenthusiastisch. Wenn man sich überlegt wie viel unbezahlte Zeit in so einem Event steckt, kann das sicherlich manchmal frustrierend sein. Also ich bleibe bei der Musik, möchte aber dennoch mein Möglichstes dafür tun, dass ich meinen Kindern in die Augen schauen kann, wenn ich Ihnen unsere, aber eigentlich Ihre Welt übergebe.

#MutzurMeinung

Holle B. meets Cowabunga

1 comment

Holle,

Du bist der Hammer: 🙂 Auf dem Bild stehen drei für mich beste Typen, die die Republik zu bieten hat zusammen.

Wie geil!

Viele Grüße,
Ralph

Schreibe einen Kommentar