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  • Volksbegehren für Artenvielfalt
  • Eintragungszeitraum: 31.1. – 13.2.19
  • Es werden Stimmen von 10% der wahlberechtigten Bayern benötig

Der Slogan „Rettet die Bienen“ springt einem direkt ins Auge, wenn Maja und Willi ein Problem haben, dann hat am Ende auch die Menschheit ein Problem. Doch der gewählte Kosename ist leicht irreführend und steht nur für einen Teil der Wahrheit.

Die Biene ist ein Tier, welches die Menschen als nützlich, gut und positiv empfinden. Ein echter Werbeträger eben, für ein Volksbegehren welches im eigentlichen Sinne für Naturschutz, Artenvielfalt und ökologische Verantwortung steht.

„Genau meine Themen“, dachte ich mir. Da ich da sowieso voll dahinter stehe könnte ich doch ein wenig die Werbetrommel rühren. Für mich als Musiker bedeutet dass vielleicht ein kleines Video posten und einen kurzen Blog Artikel schreiben. Fertig. So mit Chips auf der Couch, völlig relaxt.

Doch wie immer habe ich den Aufwand völlig unterschätzt.

Quelle: mein Optimismus der nicht in die Zukunft schauen kann

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich das allerdings noch nicht. Mit Chips auf der Couch sitzend plante ich zwei Aktionen, eine analoge Flyer-, und eine digitale Videoaktion. Wie das im Detail ablief kann man in den folgenden Blog Artikeln lesen.

In diesem möchte ich mich viel mehr mit der Dynamik beschäftigen die diese ganze Nummer angenommen hat. Eigentlich, so dachte ich, wird der Inhalt dieses Volksbegehrens jeden ansprechen. Doch weit gefehlt. Natürlich gibt es Menschen die die ganze Thematik anders sehen, oder schlichtweg ihre persönlichen Prioritäten an anderer Stelle setzen. Diese Meinungsvielfalt bekommen wir leider immer seltener mit. Filterblase sei Dank.

offizielles Plakat

Im Rahmen der Flyeraktion erstellte ich einen Post auf Facebook innerhalb der Gruppe meiner Stadt. Es dauerte keine 10 Sekunden und schon hatte ich die erste Direktnachricht im FB-Briefkasten. Es war ein freundlicher Hinweis, dass das Volksbegehren gefährliche Folgen haben könne und dass es hier gar nicht um die Biene gehe, die ja nur als Marketing Objekt genutzt werde. Schnell kommentierten auch Kritiker, die wiederum Werbung gegen das Volksbegehren machten. Ein kleiner Graben durchzog die FB-Gruppe.

Meine Meinung ist, dass man nur für etwas einstehen kann, wenn man sich mit der Materie ausgiebig auseinandergesetzt hat.

meine persönliche Meinung

Tja was soll ich sagen, das Wochenende wurde ab diesem Moment der Recherche geopfert. Selbstverständlich für die Argumentation Beider Seiten Trotzdem! Man muss halt etwas dafür tun, wenn man etwas tun möchte.

Doch was kann man als Musiker eigentlich ausrichten? Die Antwort ist einfach: Musik machen, seine digitale Reichweite nutzen und mit den Menschen reden. Außerdem besitzt man in Deutschland das unglaubliche Privileg seine persönliche Meinung frei äußern zu dürfen. Man könnte auf die Idee kommen diese in einem kurzen Lied zu verarbeitet und evtl. sogar übers Internet zu verbreiten. Nur mal so, kurze Videos sind bezüglich Social Media von Vorteil. Das alles ist der einfache Teil. Man darf nicht vergessen, dass eigentlich ziemlich wenig Menschen überhaupt Social Media nutzen. Denkt man diesen Gedanke einmal zu Ende merkt man schnell dass es Zeit wird auch Aktionen in der realen Welt zu starten. Meine Kollegin Uta Desch und ich überlegten uns ob z.B. eine Art Musik Event, im Namen des Volksbegehrens, Sinn ergeben würde. Wir entschieden uns dagegen, so endete ich mit der Flyer Aktion und sie wurde Rathaus Lotsin. Perfekt!

Damals, es ist lange her, wollte ich die Welt verändern. Damals, es ist lange her, war ich begeistert von den Bands und Musikern die für irgendeine „Sache“ stehen, ja sogar brennen, sei es Hans Söllner, Hannes Wader, Wizo, Rage against the Machine oder Irie Revoltes. Also begann ich kritische (non)Singer-/Songwriter Songs zu schreiben und siehe da der Erfolg blieb nicht aus. Den „Brief an die Fiesen“ spielte ich auf einer Demonstration gegen „TTIP“ vor 300 Leuten und im letzten Jahr durfte ich auf der „Wir sind bunt“ – Veranstaltung in Elsenfeld das Lied „Wir Empören uns laut“ performen. Da lernte ich, dass wenn mehr als 2000 Menschen mitsingen es mir fast die Mütze vom Kopf fegt.

Laber Laber Rhabarber

und heute? Sitze ich da und verzweifel manchmal darüber, wie schwer es sein kann im eigenen Dorf mit ca. 3000 Wahlberechtigten mehr als 10% zum Weg ins Rathaus zu bewegen. Bei einem Thema wo es schon längst nicht mehr um unseren Planeten, sondern den unserer Kinder geht. Manchmal frage ich mich, ob ich in einer Welt leben möchte wo es Menschen gibt die mit dem Argument der „freien Entfaltung“ gegen eine Geschwindigkeits-begrenzung argumentieren, oder wo es Menschenmassen gibt die „absaufen“ skandieren. Nein das möchte ich eigentlich nicht und für einen kurzen Moment wäre ich gerne wieder Kind und hätte von all dem keine Ahnung. Als Kind dachte ich immer die Erwachsenen passen auf die Erde auf, lustig ich weiß.. und plötzlich ist da Wut und alles beginnt von vorne:

„Die Welt ist zu groß für Dich, Du bist nur ein kleiner Teil, nimm Einfluss, mache Musik, steuer etwas bei. Das ist das was Du tun kannst!“

Am Ende kann man nur sich selbst ändern und andere inspirieren

Quelle der Vernunft

Zurück zu dem Recherche Wochenende und dem Volksbegehren. Nach einem ausgedehnten Informationsmarathon, einer E-Mail Korrespondenz mit meinen Landrat, der übrigens unverzüglich antwortete, und einem Besuch einer Infoveranstaltung zu dem Volksbegehren, hatte ich diese Weite Landschaft des Themas „Artenvielfalt“ einmal durchquert und konnte mir so eine eigene Meinung bilden. Eine Überlegung hierzu möchte ich Euch gerne erzählen:

Die Landesregierung CSU/FW lehnt das VB schon im Vorfeld ab. Sie meinten wenn es zustande kommen würde, dann würden sie einen ausgewogenen Breitband-Gegenvorschlag ausarbeiten. Dies bedeutet aber auch, dass wenn das VB nicht zustande kommt, dass sie dann gar nichts tun müssen/werden (beruht ja alles auf Freiwilligkeit. Anm. des Zynismus). Also egal ob Kritiker oder Befürworter, mit Eurer Unterschrift sorgt ihr dafür dass die Landespolitiker zur Arbeit gezwungen werden und sich mit diesem Thema auseinander setzen müssen.

Und jetzt mal unter uns. Man wird regelrecht belächelt, wenn man Dinge „für“ die Umwelt tut. Solange dies so ist und alles andere wichtiger erscheint ist es noch nicht schlimm genug.

PS. Ich habe das Volksbegehren unterschrieben. Eine erfolgreiche Flyer Aktion durchgeführt und ein zum Thema passendes Video über die Kanäle geteilt. Jetzt sitze ich hier fühle mich gut und stelle fest, dass ich gerade alles andere als Musik mache, oder doch?

  Feb 06, 2019

2 comments

Danke für den tollen Post. Ich war gestern zum Eintragen. Nr. 100 von über 3000 Wahlberechtigten. Es fehlt auch das Verständniss der Leute. Ich habe ein paar Angesprochen. Da gibt es tolle Antworten.
Danke für den Einsatz.

Lieber Michael,
mir geht es ähnlich wie Dir. Es ist sehr spannend welche Antworten man bekommt wenn man die Menschen anspricht. Viele bekommen das Volksbegehren gar nicht mit.
Vielen Dank auch für Deinen Einsatz
Liebe Grüße
Holle

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